header

An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu - öffnen wir ihm die Tür, um ihm Herberge zu geben. 

„Wenn die Geburt Jesu nicht in mir geschieht, was hilft es mir dann? Denn dass sie in mir geschehe, daran liegt alles.“ Dieses Zitat von Meister Eckhart wird sicher auch in diesem Jahr in mancher Weihnachtspredigt zu hören sein.

Der mittelalterliche Mystiker hat damit den Kern der Botschaft getroffen. Was vor 2000 Jahren irgendwo in einem Stall in Israel geschehen ist, wäre ziemlich bedeutungslos, wenn es nicht auch für uns heute erfahrbar wäre. Ist Christus nicht in uns lebendig, dann ist unser Christsein schal und leer.

Aber wie kann Jesus in uns geboren werden? Um das heraus zu finden, ist es hilfreich, zunächst die biblische Erzählung genauer anzusehen. Wir lesen im Lukas-Evangelium:

150 Kilometer sind es von Nazareth nach Bethlehem. 150 Kilometer steinige Wege, darauf Maria unterwegs, zu Fuß, hochschwanger, beladen mit Proviant und Gepäck; wir können uns alle vorstellen, wie beschwerlich das gewesen sein muss. Zudem musste sie und ihr Verlobter Josef ihre gewohnte Umgebung verlassen, ihre Verwandten, Freunde, das ganze heimische Umfeld. Und das vor einer Geburt! Die beiden haben sicher auf ein ruhige und warme Lagerstätte am Ziel ihrer Reise gehofft. Aber von wegen: „In der Herberge war kein Platz“. Das Kind kam in einem Stall zur Welt. Das ist bitter.

Und doch, gerade für uns ist dies ein Hoffnungsschimmer. Mehr noch, ein Licht. Denn in der Geschichte stecken viele Hinweise, wie es geschehen kann, dass die Geburt Jesu „in mir geschieht“, wie Meister Eckhart sagt.

Auch für uns gilt es zunächst, dass wir bereit sind, uns auf den Weg machen, den innerlichen Weg, raus aus der Komfortzone; Es geht darum, bereit zu sein, uns ganz auf eine sich verändernde Wirklichkeit einzulassen, vielleicht sogar auf steinige Wege und Mühsal. Der erste Schritt dieser Reise ist also unsere Bereitschaft.

Der zweite ebenfalls, nämlich die Bereitschaft, die Tür zu öffnen, wenn angeklopft wird. „In der Herberge war kein Platz“ heißt es. So kommt der Retter der Welt in einem Stall zur Welt. Er, der das Licht selbst ist, wird an einem schmutzigen, kalten Ort geboren. Dazu Tiere, Gestank, Mist. Kein gut ausgestatteter Kreißsaal mit Hebammen und Ärzten, die Jesus bei seiner Geburt erwarten.

Und wieder die Frage nach uns. Wo ist der Stall, in dem Jesus geboren werden soll? Es kann nur unser Innerstes gemeint sein. Doch wie sieht es da aus, alles aufgeräumt und geputzt wie unser Haus an Weihnachten? Oder gibt es auch dunkle Ecken, wo wir kein Licht hinkommen lassen wollen? Oder vielleicht sogar Mist, der stinkt? Uns und anderen. Mist, den wir in unserem Leben gemacht haben? Mist, den wir lieber ungeschehen machen würden? Verhaltensweisen, die uns immer wieder in Schwierigkeiten bringen, uns beschämen, anderen schaden?

So seltsam es klingen mag, genau dieser Mist kann der Weg zu unserer Rettung sein. Jesus ist unser Erlöser, gerade in seiner Geburtsstunde dürfen wir das ganz neu erleben. Wenn wir auf das Klopfen an unserer Herzenstür hören und ihm öffnen. Trotz allem, was in unserem Inneren vielleicht an Dunklem und Mist zu finden ist.

Wenn das Licht des göttlichen Kindes in unserem Inneren aufscheint, Jesus in uns geboren wird, dann wird unser Herz weich und am Ende all unser Mist verwandelt. Jesus macht daraus Dünger, der Blumen aufblühen und Getreide gedeihen lässt. Und Frieden, göttlicher Frieden, zieht bei uns ein. Dann erleben wir, was Jesaja angekündigt hat: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“ Denn heute ist uns der Retter geboren!

­