Eine fünfköpfige Delegation aus der KLB-Partnerdiözese Kaolack im Senegal war für einen Tag zu Gast in Euerfeld.

Das hat Euerfeld noch nicht erlebt: Ein Bischof aus dem Senegal weiht einen unterfränkischen Kälberstall ein. Möglich gemacht hat dies die Partnerschaft zwischen der KLB Würzburg und der Diözese Kaolack. Deren Oberhirte Martin Boucar Tine kam anlässlich des 40jährigen Partnerschaftsjubiläums mit einer Delegation aus dem westafrikanischen Land ins Bistum Würzburg. Und da auch Euerfeld eine Station auf der einwöchigen Rundreise durch das Bistum Würzburg war, brachte dies Birgit und Hubert Heinrich auf eine Idee: Der vor einem Jahr gebaute Kälberstall war noch nicht geweiht. Was lag da näher als den Bischof zu fragen? Und der ließ sich nicht lange bitten und kam vor dem offiziellen Programm direkt zum Stall der Heinrichs.

Dort wurde er ebenso sowie Brigitte Traoré, Michel Sene, Abbé Pascal Sene und Abbé Pierre Dion herzlich von Hubert Heinrich begrüßt. Sogar ein Fernsehteam und etliche Euerfelder waren gekommen, um sich das Ereignis nicht entgehen zu lassen. So ging es gefolgt von jung und alt erst durch den Kuhstall, dann über das Betriebsgelände und schließlich durch den neuen Kälberstall. Dabei erfuhren die Senegalesen, dass dort 75 bis 80 Jungtiere Platz haben, der Baubeginn 2019 war und der Stall seit einem Jahr steht. Die 80 Milchkühe, so berichtete Hubert Heinrich weiter, geben am Tag bis zu 2000 Liter Milch. Die galt es dann auch gleich zu verkosten und die anerkennenden Blicke der Gäste aus dem Senegal bezeugten, dass es ihnen auch schmeckte.

image00030Überhaupt zeigten sich die Afrikaner sehr aufgeschlossen. Sie wollten genau wissen, wie die großen landwirtschaftlichen Maschinen funktionieren, wo die ganze Gülle hinkommt, wie die Silage sich anfühlt und riecht oder wieviel Futter eine gestandene Milchkuh am Tag frisst. Doch dann wurde es ernst, denn die Segnung des Stalls stand an. Die Familie Heinrich versammelte sich um Bischof Martin. Der Oberhirte segnete den Stall, die Tiere und die Menschen, deren Arbeit sich so mit dem Werk Gottes in der Welt verbinde, wie er ausführte.

Andacht an der Bruder-Klaus-Kapelle

Nach dem Mittagessen bei Theresia und Gerd Schneider ging es an die Bruder-Klaus-Kapelle, wo die Gäste von der KLB-Vorsitzenden Claudia Mack und Constanze Söldner begrüßt wurden. „Aus Partnern werden Freunde“ gaben die beiden Frauen das Motto für diesen Tag der Begegnung mit dem Landvolk Euerfeld aus. Im Mittelpunkt der Andacht stand das an der Kapelle reichlich vorhandene Wasser. So versammelten sich alle auch um den Quellstein, um über die Bedeutung und den Segen des Wassers nachzusinnen. Wasser bedeutet Reinheit, Verbindung oder Christsein hieß es in kurzen Texten, die von unterschiedlichen Frauen und Männern aus dem Landvolk vorgelesen wurden und die den Senegalesen in Französisch vorlagen.

Überhaupt wurde versucht, die Gäste so gut wie möglich einzubinden. So sprachen alle kurze Gebetsantworten in Französisch und beteten das Bruder-Klaus-Gebet gemeinsam in Deutsch und Französisch. Am Ende stand ein Vortrag von Katharina Ländner-Mack zur Baugeschichte der Kapelle und zu Bruder Klaus, der von Thomas Kram in bewährter Weise übersetzt wurde.

Bei Kaffee und Kuchen und wärmeren Temperaturen ging es dann im Feuerwehrhaus weiter. KLB-Vorsitzender Otto Kram begrüßte die senegalesischen Gäste und zahlreiche Euerfelder im Saal. Sein besonderer Gruß galt auch einigen Frauen aus Nachbarorten, die sich regelmäßig und zum Teil schon seit Jahrzehnten an der Osterkerzen-Aktion der KLB beteiligen. Der Verkauf der Osterkerzen ist ein wichtiges Standbein, um Gelder für die von der KLB unterstützten Projekte im Senegal zu generieren. So war es spannend für die Euerfelder, aus erster Hand zu hören, was mit den Spenden in der Diözese Kaolack gemacht wird.

Vorgestellt wurde etwa die Mädchenschule Claire Amitié von deren Leiterin Brigitte Traoré. Dort werden derzeit 170 junge Frauen aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu Schneiderinnen oder für Tätigkeiten im Gastgewerbe ausbildet. Das wichtigste aber ist, so betonte sie, die Schülerinnen zu selbstbewussten Menschen zu erziehen, die erfolgreich ihren Weg durchs Leben gehen. Dieses Ziel verfolgt auch das Kinderkulturzentrum, das sich vor allem um Straßenkinder kümmert, betonte Abbé Pascal Sene, der als Vorsitzender des Partnerschaftskomitees für die Verwendung der Spenden aus dem Bistum Würzburg verantwortlich zeichnet.

Noch ein weiterer Stall stand auf dem Programm der senegalesischen Gäste. Nach dem Kaffee ging es auf den Hof von Marianne und Bruno Scheller. Der Landwirt zeigte seinem Kollegen Michel Sene seine Kälberhaltung, den Kuhstall und den Melkstand. Michel Sene ist ebenfalls Bauer und zugleich Vorsitzender der Katholischen Landvolkbewegung (MARCS) in der Diözese Kaolack. So konnte der senegalesische Landwirt wertvolle Anregungen aus Euerfeld mit in die Heimat nehmen.

Gottesdienst zum Sonntag der Weltmission

Mit dem abendlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael feierte die Gemeinde zugleich den Sonntag der Weltmission. In diesem Jahr ist der Senegal das Beispielland und so konnten die Gläubigen hautnah Menschen aus dem westafrikanischen Staat erleben. Pfarrer Uwe Hartmann begrüßte Bischof Martin mit einer Flasche Wallfahrtswein. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Helene Sauter betonte, dass die Partnerschaft zwischen der Diözese Kaolack und der KLB einen sehr hohen Stellenwert in der Pfarrei habe. Namentlich bedankte sie sich bei Thomas und Otto Kram sowie Gerd Schneider, die bereits mehrfach im Senegal waren und „sich intensiv um diese Partnerschaft bemühen und kümmern.“ Sie wünschte der Partnerschaft „weiterhin diesen wertvollen persönlichen Austausch, diese gegenseitige Wertschätzung und fruchtbare Zusammenarbeit.“

In seiner Predigt ging Bischof Martin auf das Evangelium ein, das von der Heilung des blinden Bartimäus berichtet. Gott wolle auch uns die Augen öffnen und unseren Blick schärfen. So sei es wichtig zu sehen, was Gott für uns in der Vergangenheit getan habe, also die Spuren Gottes in unserem Leben zu entdecken. Unser Blick müsse aber auch in die Zukunft gehen. Das gelte in gleicher Weise für die Partnerschaft, bei der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Bedeutung seien. Bischof Martin rief dazu auf, zusammen mit Jesus an der Seite in die Zukunft zu gehen. Dadurch verändere und öffne sich der Blick für unsere Welt. Der Blick des Glaubens, den Bartimäus hatte, rette auch uns. „Wir alle brauchen den Blick des Bartimäus“, erklärte der Bischof.

Bei einem gemeinsam Abendessen mit der erweiterten Landvolk-Vorstandschaft klang der Besuch der Gäste aus dem Senegal harmonisch aus. Claudia Mack und Otto Kram überreichten an Bischof Martin die beim Kaffee und beim Gottesdienst zusammen gekommenen Spenden in Höhe von 610 Euro. Am Ende verabschiedeten sich alle herzlich voneinander, denn an diesem Tag haben viele erlebt, wie aus Partnern aus einem fernen Land in Afrika Freunde wurden.

Fotos: Claudia Mack, Gerd Schneider und Walter Sauter