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im April 1961 gingen in Euerfeld 32 Kinder zur Ersten Heiligen Kommunion. Erinnerungen von Rita und Irmtraud.

Vor 60 Jahren, am 9. April 1961, empfingen in Euerfeld 17 Mädchen und 15 Buben die Erste Heilige Kommunion. Zwei Kinder kamen aus Schernau. Die Durchschnittsklasse hatte in den Nachkriegsjahren ca. 14 Kinder in einem Schuljahrgang. Die Grund- und Hauptschule befand sich bis zum Ende der 60er Jahren in Euerfeld.

Pfarrer Eberhard Pfirmann hatte 1961 zwei Jahrgänge zusammengelegt, weil er der Meinung war, die Kinder wären bereits in der 2. Klasse bereit, die Kommunion zu empfangen. Einige Jahre hat man die Erstkommunion in Euerfeld dann im 2. Schuljahr gefeiert. Irgendwann kam man dann doch wieder auf die alte Norm in der 3. Klasse zurück. Ich vermute, als die Schule mit Dettelbach zusammen gelegt wurde.

Der Kommunionunterricht begann am Jahresanfang und wurde ausschließlich vom Pfarrer in Nachmittagsstunden in der Schule vorbereitet. Damals hatten die größeren Klassen, nach meiner Erinnerung ab der 3. Klasse, zweimal wöchentlich am Nachmittag Schulunterricht. Dazu kamen dann noch der Beicht- und Kommunionunterricht ein bis zweimal die Woche. Die katholischen Kinder aus Schernau kamen zu jeder Religionsstunde, sommers wie winters, zu Fuß nach Euerfeld in die Schule. So auch zum Kommunionunterricht. Umgekehrt mussten die evangelischen Kinder aus Euerfeld nach Schernau zum Religionsunterricht. Zweimal wurde vor dem Weißen Sonntag mit „Sündenzettel“ gebeichtet. Außerdem wurde während einer Vorbereitungsstunde die Tischkerze vom Pfarrer geweiht. Die Kommunionkerzen, Kreuzchen und Rosenkränze wurden direkt am Weißen Sonntag vor dem Gottesdienst, im Euerfelder Rathaus geweiht. Dort versammelten sich die Kinder und Eltern zum festlichen Einzug in die Kirche.

Auch der Gottesdienst für den „Weißen Sonntag“ wurde bis ins Detail von Pfarrer Pfirmann organisiert und der Ablauf mit den Erstkommunikanten und den Ministranten mehrmals eingeübt. So wurden z.B. die Kinder paarweise, begleitet von zwei Leuchtmädchen, (das waren Mädchen aus dem vorangegangenen Kommunionjahrgang) zur Kommunionbank und wieder zurück zu ihrem Platz geleitet. Dabei wurde uns jeder Schritt eingeprägt, den wir an Hand der Bodenplatten zu beachten hatten.

Der Festgottesdienst wurde mit Fahnenbegleitung, Blasmusik und einem großen Aufgebot an Ministranten für die Kommunionkinder, ihre Familien und Verwandten gehalten. In den frühen Morgenstunden war bereits eine Kommunionspendung für die restliche Gemeinde eingeplant. Ein Problem für einige Kinder war es, dass man am Morgen, an dem man die Hl. Kommunion empfangen wollte, nüchtern bleiben musste. Später hat man das auf eine Stunde vor Beginn der Hl. Messe reduziert und heute ist es längst abgeschafft. Selbstverständlich gingen alle Mädchen im weißen Kleid, das oft maßgeschneidert wurde. Am darauffolgenden „Blauen Montag“ trugen die Mädchen überwiegend ein blaues Samtkleid. Die Jungs trugen selbstverständlich und ganz stolz an beiden Tagen ihren dunklen Anzug und Krawatte.

Am Sonntagnachmittag fand die „Corporis-Christi-Andacht“ statt. Die hat schon um 14 Uhr begonnen und so manchem Kommunionkind war schlecht vom ausgiebigen Mittagsmahl. Alle Erstkommunikanten/innen wurden während der Andacht mit einem Gelöbnis feierlich in die Corporis-Christi-Bruderschaft aufgenommen. Nach der Andacht wurde von einem bestellten Fotografen ein Gruppenfoto aufgenommen. Private Fotos wurden damals nur selten gemacht.

Am darauffolgenden „Blauen Montag“ kamen alle Kommunionkinder mit ihren Eltern morgens zum Gottesdienst. Die Kommunionkerzen wurden geopfert und am Altar während der Gottesdienste angezündet. War ein Kind bereits als Säugling bzw. vor der Erstkommunion verstorben, hat die Familie für dieses Kind eine Kerze mit einer schwarzen Schleife an den Altar gestellt. Auch diese hat man immer angezündet. Nach dem Montags-Gottesdienst ging es zum Kommunion-Ausflug mit dem Omnibus, den selbstverständlich der Pfarrer organisiert hatte. Unserer führte nach St. Ludwig, wo wir eine Theateraufführung besuchten, welche die dort untergebrachten Zöglinge einstudiert hatten.

Seinerzeit fanden täglich um 7.15 Uhr Gottesdienste statt. Es wurde erwartet, dass alle Kinder vor Schulbeginn die Hl. Messe besuchten und die meisten taten dies auch. Wer die Kommunion empfangen wollte, musste vorher gebeichtet haben und nüchtern sein. Diese Kinder durften dann am Anfang der 1. Schulstunde während des Unterrichts frühstücken. Wir hatten eine Thermoskanne mit Kakao und eine Brotzeit dabei.

Beichten war früher sowieso ein Fall für sich! Manche Kinder wurden jeden Samstag zur Beichte geschickt! Erst dann durfte man im Sonntagsgottesdienst wieder die Hl. Kommunion empfangen. Vor den Feiertagen kamen zu uns auch Patres aus dem Dettelbacher Franziskanerkloster, die den Pfarrer als Beichtväter unterstützten. Man empfing die Hl. Kommunion bis zum Konzil (in den 60er Jahren) nur ein bis zweimal nach der Beichte.
Um an unsere Erst- Kommunionfeier zu erinnern und um sich wieder mal auszutauschen, wollen wir nach „Corona“ hoffentlich bald ein Klassentreffen organisieren.

Leider sind bereits zwei Mitschüler aus dieser Gruppe verstorben. In einem Dankgottesdienst werden wir beide in unser Gebet einschließen.

Text: Rita Heußner mit Informationen von Irmtraud Winkler / Bilder: Rita Heußner und Martin Mack 

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