Einmal um die halbe Welt und zurück nach Euerfeld

Walter Sauter Bildergalerien, Singkreis, Startseite oben

Auch wenn der zweite Teil der „Serenade im Hof“ am Samstag, 9. Juni, fast durchgängig von Regen begleitet war, ins Wasser fallen lassen wollten die rund 100 Besucher*innen den Abend auf gar keinen Fall. Und so harrten fast alle unter Regenschirmen oder Vordächern aus bis auch der letzte Ton der Zugabe verklungen war und die Akteure allesamt mit reichlich Applaus verabschiedet werden konnten.

Kein Wunder, denn was die Sängerinnen und Sänger um Initiator, Organisator und Chorleiter Thomas Kram an diesem Abend boten war es durchaus wert, dem Unbilden des Wetters zu trotzen. Der Singkreis Euerfeld und die Solisten des Ensembles Inflamati hatten zu einer musikalischen Reise um die halbe Welt geladen und gleich zum Auftakt gab es einen echten Hingucker: Die Damen des Singkreises wollten mit Theo nach Lodz („Theo, wir fahr’n nach Lodz“) und stürmten nach einem Aufruf aus einem 1. Stock begeistert die zur Bühne umfunktionierte Treppe, während die Männer mit Plakaten gegen den besungenen Ausflug aufgebracht demonstrierten.

Und munter ging es weiter im Programm, das einen größeren Block von Liedern der Stadt der Liebe, Paris, widmete. So hieß es folgerichtig auch gleich zu Beginn „Ganz Paris träumt von der Liebe“, ehe es in die etwas düsteren Ecken der Stadt mit „Pigalle“ ging und man am Ende gar einen Blick „Hinter den Kulissen von Paris“ werfen durfte. Neben dem nun vereinten Singkreis stellten dabei die Solistinnen Renate und Lea Lahrsow sowie Karin Rottmann ihr Können eindrucksvoll unter Beweis. Vor allem Karin wusste dabei gemeinsam mit Thomas Kram zu brillieren, denn die beiden sangen nicht nur vom „Pariser Tango“, sondern legten unter den Beifall des Publikums auch gleich noch eine flotte Sohle auf das gepflasterte Parkett des Hofes hin.

Weiter ging die Reise nach Wien, wo Nicole Winterstein („Im Prater blühn wieder die Bäume“) und Andreas Barber („Wien, Wien, nur du allein“) mit gekonnten Darbietungen auf den musikalischen Zug aufsprangen. Eine ganz spezielle Huldigung an ihre Heimatstadt „Gelsenkirchen“ trug Perdita Mergenthal, angetan mit einem Schalke-Schal, vor. Geschrieben hat das liebevoll-garstige Lied kein Geringerer als der Wiener Sänger und Komponist Georg Kreisler. Das letzte Epos vor der Pause führte weit nach Osten, genau genommen nach„Omsk, gleich bei Imsk“ und brachte die makabre Entstehung des Filets „Stroganoff“ (so auch der Titel des Liedes) musikalisch zu Gehör. Vorgetragen von Thomas Kram, war es gesanglich und textlich ein absoluter Leckerbissen, der für viel Heiterkeit beim Publikum sorgte, zumal Thomas die Gesangspassagen mit „Ballett“ nach russischer Art garnierte.

Nach der Pause wurden die Gäste mit „Tulpen aus Amsterdam“ begrüßt, ehe sich diese Reise nach Berlin wandte und Constanze Söldner mit dem Singkreis forderte: „Pack die Badehose ein“. Und nahezu folgerichtig stellte sich Wasser von oben ein, erst in Tröpfchen, dann in Tropfen, die nicht aufhören wollten bis zum Schluss. So flüchtete Thomas Kram, der das ganze gesangliche Geschehen am Klavier begleitete, samt seinem Instrument unters Vordach oben an der Treppe.

Und mit dem Regen war auch die vorher erkennbare Struktur weitgehend dahin. Ging die Reise zuvor brav von Stadt zu Stadt, ging es nun eher wild durcheinander. So hieß es jetzt „Komm mit nach Varadsin“, was heute in Kroatien, früher mal in Ungarn lag. Während gleich darauf die Arie „Habanera“ ins Spanien der Oper Carmen entführte, der Komponist Georges Bizet aber Franzose ist. Zuvor jedoch sorgte das Viljalied aus Franz Lehárs „Die lustige Witwe“ zwar berechtigterweise für Beifall – doch: die Operette spielt eben in Paris, der Komponist stammt aus Ungarn. Und so nahm es das Publikum denn auch klaglos, ja sogar mit Schmunzeln und Applaus hin, dass „Die Julika aus Budapest“ kam. Übrigens die amüsante „Rache“ der Singkreis-Männer für den Ausflug der Damen mit Theo nach Lodz.

Weitere Stationen des überaus unterhaltsamen Abends waren London oder New York (das durfte auf gar keinen Fall fehlen), ja sogar bis zur Sonne und zum Mond („Sun and moon“) ging es. Dass in all dem Liebe immer wieder eine Hauptrolle spielte, bewiesen nicht nur Andreas Barber und Nicole Winterstein mit ihrem einfühlsam vorgetragenen Duett „Tonight, I Celebrate My Love“. Die Reise endete schließlich in der bayerischen Landeshauptstadt München mit dem Evergreen „So lange der alte Peter“. Doch nicht ganz. Die Zugabe führte just zurück nach Euerfeld, in einer selbst gedichteten Strophe und teils im Dialekt vorgetragenen Interpretation des „Alten Peter“. So war am Ende dort wieder Endstation, wo alles zweieinhalb Stunden zuvor begonnen hatte. Was für eine herrliche Reise um die halbe Welt und zurück nach Euerfeld, was für ein wundervoller Abend!