Wahre Feuerwehrschätze

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Zwei historische Feuerwehrspritzen aus den Jahren 1832 und 1891 fristeten Jahrzehnte relativ unbeachtet ihr Dasein im früheren Euerfelder Rathaus. Jetzt verkaufte die Stadt Dettelbach das Gebäude und forderte die Feuerwehr per E-Mail zur schnellen Räumung auf. Diese machte aus der Not eine Tugend: Die ältere Spritze und eine Krankentrage werden Exponate im Deutschen Feuerwehrmuseum. Für die zweite Spritze wird noch eine feste Bleibe gesucht.

Fast schon einem kleinen Museum glich das alte Spritzenhaus im Untergeschoss des ehemaligen Rathauses, als Mitglieder der Feuerwehr das Tor nach Jahrzehnten wieder öffneten: Das Inventar umfasste eine tragbare Handdruckspritze, eine vierrädrige Saug- und Druckspritze mit Zubehör, eine hölzerne Schlauchhaspel, einen Feuerlöscher von 1952 und eine Krankentrage. Mit der Einweihung des Feuerwehrhauses in der Kaiserstraße im Jahr 1970 waren die Geräte in Vergessenheit geraten. Lediglich in den 1980er Jahren wurde die fahrbare Spritze letztmals bei einer Schauübung präsentiert.

Nicht viel Zeit blieb den Mitgliedern der Feuerwehr, eine neue Bleibe für die Spritzen zu finden: In einer E-Mail forderte die Stadtverwaltung den Verein Ende Juli dazu auf, den Raum innerhalb einer Woche zu räumen um das Gebäude veräußern zu können. Über die WhatsApp-Gruppe der Wehr wurde fieberhaft nach neuen Unterstellmöglichkeiten in Euerfeld gesucht – ohne Erfolg. Schließlich wandte sich Schriftführer Jan Speth in einem Hilferuf an Feuerwehr- und Freilandmuseen.

Beim Deutschen Feuerwehrmuseum stieß man auf offene Ohren: Museumsleiter Rolf Schamberger, traute seinen Augen kaum, als er die Bilder von den voll funktionsfähigen Spritzen sah: Als „ein seltener Glücksfall“ bezeichnete er die Tatsache, dass die Spritzen Weltkriege, Notzeiten und „oftmals gutgemeinte Restaurierungswut“ überstanden haben. Der originale Zustand, die authentischen Farbfassungen, das vollständige Zubehör – der Museumschef sprach von „wahren Feuerwehrschätzen“. Alleine die vierrädrige Spritze habe den Wert eines Kleinwagens – ideell sei dieser gar nicht erst messbar.

Schamberger sicherte Speth schnelle Hilfe zu und versprach, die kleinere Spritze und eine Krankentrage sofort in sein Museumsinventar in Fulda aufzunehmen. Eine „bedingte Schenkung“ wurde vereinbart. „Das Museum kann die Spritze nicht weiterverkaufen und wir können diese nach wie vor zu bestimmten Anlässen ausleihen. Sollte das Museum mal schließen müssen, gehen Spritze und Trage wieder dauerhaft in unser Eigentum über“ zeigte sich Kommandant Stephan Weippert zufrieden.

„Es ist beruhigend, dass ein Teil der Gerätschaften jetzt in guten Händen ist“ freute sich Vorsitzender Philipp Weippert über die Abmachung. Durchschnittlich 25.000 Besucher jährlich zählt das Museum mit 1.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Ein Schild wird auf die bedingte Schenkung hinweisen. Glücklich zeigte sich der Vorsitzende über den Umstand, dass die größere Feuerwehrspritze bei einem Euerfelder zumindest eine vorübergehende Bleibe gefunden hat.

Dem Deutsche Feuerwehrmuseum fehlt für die große Spritze schlichtweg der Platz: „Ich hätte diese sonst mit Kusshand genommen“, sagte Schamberger, der die neuen Exponate am Samstag in Euerfeld abholte und sich unter Kollegen umhören will. Gesucht wird eine dauerhafte Unterstellmöglichkeit – entweder in Euerfeld oder in einem Museum. Ein Verkauf an Privat schließen die Feuerwehr-Verantwortlichen allerdings aus.

Die Gerätschaften

  • Handdruckspritze, auch als Buttenspritze bezeichnet, laut Feuerwehr-Chronik der aus dem Jahr 1832. Nachforschungen des Deutschen Feuerwehrmuseums haben ergeben, dass die Spritze möglicherweise sogar um 1825 gebaut wurde. Die Spritze wurde von vier Personen an Tragegriffen zur Einsatzstelle getragen und hatte folglich keine Räder. Eine Besonderheit der Spritze: Ein integrierter Windkessel sorgte für einen kontinuierlichen Wasserstrom beim Pumpen. Es handelt sich um eine reine Druckspritze – Ansaugen war mit diesem Modell nicht möglich.

  • Fahrbare Saug- und Druckspritze, laut Aufschrift und Chronik von 1891. Die gefederte, vierrädrige Spritze wurde von vier bis sechs Personen zur Einsatzstelle gezogen. Mit der Spritze konnte aus Gewässern Wasser angesaugt werden, alternativ wurde der Wasserbehälter über eine Eimerkette gefüllt. Bei der Euerfelder Spritze fehlen lediglich eine Glocke und eine Laterne.

  • Fahrbare Schlauchhaspel, hergestellt Ende des 19. Jahrhunderts. Die Haspel konnte an die Spritze angehängt werden.

  • Krankentrage: Laut Recherche der Feuerwehr stammt diese möglicherweise aus der Zeit des 1. Weltkriegs. Damals gab es neben den Steiger- und Spritzenmannschaften auch einen Rettungsdienst bei der Feuerwehr.